Vor einigen Tagen erreichte den Vorstand dieses E-Mail in Sachen „Parzelleneinbruch“. Wir veröffentlichen es (nach Rücksprache mit dem Mitglied) – haben allerdings Angaben zum Garten und dem Termin entfernt.

Jetzt hat es mich auch mal richtig erwischt: Während der 25 Jahre Mitgliedschaft im Verein war bis vor drei Tagen nur zweimal bei mir eingebrochen worden. Einmal fehlte ein Kiste Bier, das zweite Mal eine Kiste Zigarren. Schade eigentlich, aber den Dieben habe ich es fast gegönnt, sie haben außer einer Fensterscheibe nichts kaputt gemacht und waren offenbar Genießer. Dennoch habe ich seitdem keine Genussmittel mehr auf der Parzelle aufbewahrt. Tatsächlich war es aber wohl doch ein Fehler, keine Zigarren oder Bier bereitzustellen.

Am letzten Donnerstag kam es für mich Dicke. Es war Vormittags noch sehr frisch, später fing es an zu regnen, also eigentlich kein Idealwetter für den Garten, aber man hat seine Ruhe, dachte ich. Ich habe rundherum eigentlich auch keine Spaziergänger o.ä. bemerkt. Ich war am Mittag dabei, Baumschnitt (der liegt bei mir im Moment in ansehnlichen Mengen herum) zu zerkleinern und ihn zum Transport zur Deponie zu verladen. Eigentlich eine durchaus entspannende körperliche Tätigkeit an der frischen Luft. Offenbar war ich dennoch so konzentriert am Werke, dass ich nicht bemerkt habe, wie jemand hinter meinem Rücken in die 10 m entfernte, natürlich zu meiner Seite offene Gartenbude hineingeschlüpft ist und sich auf sehr leisen Sohlen wieder vom Acker gemacht hat. Gegen 13.00 Uhr wollte ich dann telefonieren und habe erst mal nicht geglaubt, was ich sah bzw. eben nicht sah, und zunächst meiner eigenen Dusseligkeit zugeschrieben habe: Meine Jacke mit Portemonnaie, Führerschein, Personalpapieren, Bankkarte sowie einem erklecklichen Geldbetrag fehlte, in ihren Taschen Auto-, Fahrrad- und Hausschlüssel, weiterhin mein noch gar nicht so altes Smartphone mit einem jüngst aktualisierten Adressenverzeichnis sowie einer größeren Anzahl von privat wichtigen Fotos, die taufrisch aufgenommen und noch nicht auf Computer hinübergezogen waren. Kurzum: Ich stand als gleichsam nackter Mann da. Die offenbar für Diebe wertlosen Gartenschlüssel steckten immerhin noch. Eine halbe Stunde stellte ich die Gartenbude auf den Kopf, suchte dann in kriminalistischer Weise auf meiner und (illegalerweise) auch auf den Parzellen meiner Gartennachbarn nach Fußspuren, konnte aber außer meinen eigenen keine entdecken.

Ich warf mir ein paar alte Gartenklamotten über, um dann durch den inzwischen aufgekommenen kalten Wind und Regen zu Fuß (die Autoschlüssel waren ja weg) über die Erdbeerbrücke nach Hause zu latschen.

Der Rest war dann aufgeregte Routine. Sperren der Bank- und Sim-Karten, Kontrolle von verdächtigen Kontobewegungen, Beruhigung meiner Frau, die natürlich minütlich Einbrecher in unser Haus eindringen sah. Flugs den Sicherheitszylinder der Haustür ausgewechselt. Zwei Fahrradschlösser gleichzeitig an das Autolenkrad geschlossen. Dann zum Polizeipräsidium. Es war eine sehr ungünstige Zeit, der zuständige Beamte wollte gerade nach Hause. Er nahm dann doch alles auf, und das hat fast eine Stunde gedauert. Ein Lob der Bremer Polizei! Darauf bei inzwischen saumäßig kalten Temperaturen mit Ersatzschlüsseln und Fahrrad nochmal zur Parzelle. Nichts Weiterführendes. Immerhin dann mit Fahrrad im Auto einigermaßen warm nach Hause. Dort einen Schnaps (oder auch zwei).

Heute (zwei Tage später) habe ich (fast erwartungsgemäß, aber dennoch freudig begrüßt) über meine rückwärtigen Gartennachbarn meine Jacke wiederbekommen. Immerhin mit Auto-, Fahrrad- und Hausschlüsseln). Die lag bei ihnen vor dem Gartenhäuschen. Wenn ich Glück habe, findet vielleicht einer mein leeres Portemonnaie noch, und so richtig viel kann man mit meinem fast abgelaufenen Perso und dem Kfz-Schein meines 12 Jahre alten Kombis auch nicht anfangen. Mein Smartphone ist fingerprint-geschützt, die sim-Karte gesperrt: Vielleicht findet das ja auch noch einer in einer Hecke am Weserstrand…

Warum schreibe ich das alles:

  • Natürlich vor Allem zur Information, der Vorstand und alle Vereinsmitglieder müssen wissen, was läuft. Von Einbrüchen in Gartenhäuser in unserem Verein habe ich in letzter Zeit mehrfach gehört. Es scheint nicht abgenommen zu haben.
  • Zur Warnung an alle: Bewahrt keine Wertsachen in den Gartenhäusern auf. Falls doch: Äußerst gründlich verstecken. Und: Bank, sim- und sonstige Karten zu Hause lassen. Bank-Transaktionen und Bezahlvorgänge müssen nicht unbedingt auf der Parzelle abgewickelt werden. Und telefonisch mal nicht erreichbar zu sein, wird ja langsam wieder zum Luxus.
  • Augen offen halten und vielleicht mit den unmittelbaren Gartennachbarn die Telefonnummern austauschen, sodass man sich bei allen berechtigten Datenschutzbestimmungen auch mal über irgendwelche Auffälligkeiten benachrichtigen kann.
  • Aber Vorsicht: Einbrüche verändern die Wahrnehmung, das war für mich das eigentlich Bedrohliche. Nachdem ich das Fehlen meiner Wertsachen bemerkt hatte, sah (nicht nur ) ich bei jedem, der sich auf dem Parzellengebiet bewegte, einen Verdächtigen. Zum Beispiel eine Dame, die sich (wohl eher wegen der Kälte ) dick vermummt hatte, auf diese Weise irgendwie ausländisch wirkte, bei der Begegnung das Gesicht senkte und natürlich um die abendliche Stunde nichts mehr im Parzellengebiet zu suchen hatte. Sie könnte ja Schmiere für irgendeinen stehen (da kann man sich jetzt wahlweise einen muslimischen, vielleicht auch osteuropäischen Mitbürger vorstellen) …

In meiner häuslichen Straße guckte ich genau hin, als ein Jugendlicher mit Kapuzenanorak, unter dem sein Gesicht nicht erkenntlich war, vor unserem Haus vorbeischritt, betont unauffällig eine Zigarette rauchte, aber eben nicht sein Gesicht zeigte. Natürlich wollte der schon mal ausbaldowern, wie man in mein Haus oder Auto kommt …

Kurzum: Man gerät schnell in manche nationalistische, rassistische oder sonstwie aktuell gesellschaftlich bedingte Fallen und Vorurteilsgedankengänge, die i.d.R. völlig absurd sind. An dem besagten Nachmittag traf ich noch einen Gartenfreund, der von einem von uns sprach, der sich im Parzellengebiet gut auskenne, der bisher aber noch nicht erwischt worden sei. Auch nicht viel besser.

Meine persönliche Folgerung: Ich bewahre wieder Zigarren und Haacke-Beck gut sichtbar im Gartenhäuschen auf (aber nicht weitersagen!). Ist wohl sicherer und auch für mich angenehm und bequemer. Dafür lasse ich die o.g. Zahlungs- und Kommunikationsmittel weg.